Über die Sinnhaftigkeit von Kennenlerntagen

Ein lustiger Zufall will es, dass ich an zwei aufeinander folgenden Tagen zwei Menschen kennengelernt habe, die nicht unerheblichen Einfluss auf mein Leben haben. Nein, es sind nicht meine Mutter und mein Vater (der am Tag meiner Geburt nicht durch eine Dienstreise verhindert war und mich dadurch erst einen Tag später das erste Mal sah). Netter Versuch, aber leider falsch, denn diese beiden Menschen kenne ich erst seit einem Jahr. Aber eigentlich geht es hier auch gar nicht so sehr um sie, sondern vielmehr darum, ob es nicht noch viel mehr „erste Male“ zu feiern gibt, als nur die, die einen mit besonderen Menschen verbinden. Denn als ich dem einen sagte, dass wir uns vor genau einem Jahr das erste Mal getroffen haben, meinte er, ob ich mir so etwas tatsächlich merken würde. Woraufhin ich ehrlich zugeben musste, dass der Kennenlerntag mit dem anderen Menschen genau einen Tag zuvor quasi meine Eselsbrücke wäre, was aber die Bedeutung unserer Begegnung keinesfalls schmälern solle. Nur wie viele nicht unwichtige erste Begegnungen und Ereignisse gehen mangels einer wirklich guten Erinnerungshilfe einfach im Alltag unter, obwohl sie eine entsprechende Wertschätzung mehr als verdient hätten?

Ich liebe das Theater, aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das erste Mal im Theater war, dafür zum Glück zumindest daran, welche Inszenierung mir diese Leidenschaft wieder mit aller Macht in Erinnerung gerufen hat. Das war „Der Fremde“ im Thalia Theater. 90 Minuten war ich einer anderen Welt, die mich meine damals nicht so lustige solange hat vergessen lassen. Aber welcher Tag war es? Tja, da müsste ich nachschauen und mein digitaler Kalender würde mir das auch ganz schnell verraten. Aber eigentlich ist es schade, dass ich genau dieses Datum nicht so parat habe, wie eben diese beiden Kennenlerntage, die ich wohl so schnell nicht vergessen werde, denn an den einen werde ich mehr oder weniger täglich durch die Anwesenheit dieses lieben Menschen erinnert und an den anderen durch jeden Tweet, jeden Barcamp-Besuch und eben auch durch das, was ich hier gerade mache. Deshalb nicht vergessen: Das Leben findet draußen statt mit all den tollen Menschen, denen ihr begegnen könnt und die euch inspirieren. Aber das, wozu sie euch motivieren, könnte ab und zu auch gewürdigt werden. Diese Spuren der anderen im eigenen Leben, die dazu anregen, neue Wege zu gehen und etwas auszuprobieren, was man sich zuvor nicht getraut hat oder schlicht und ergreifend nicht kannte. Und das alles bleibt, auch wenn diese Menschen nicht mehr Teil des eigenen Lebens sind und sich die gemeinsamen Wege wieder getrennt haben und keine Kennenlerntage mehr gefeiert werden. Aber ich wette, dass es fast täglich einen Grund gibt, sich zu erinnern, wann man etwas das erste Mal getan hat und vielleicht ja auch an den Menschen, der einen dazu gebracht hat.

Dies ist der erste Beitrag in meinem neuen Blog, inspiriert durch andere Blogger und natürlich auch durch diese beiden Menschen, die mich seit einem Jahr begleiten. Dankeschön an die beiden für den Blognamen und die Inspiration für diesen ersten Text.